ema: 125 Jahre Schmidtsdorff Elektromotoren

JUBILÄUM Die Firma Schmidtsdorff Elektromotoren ist ein Traditionsbetrieb des Elektromaschinen­bauer-Handwerks. Er wurde am 1. Juli 1895 durch den Ingenieur Rudolf Schmidtsdorff in Berlin gegründet.

Andreas LattkaSchmidtsdorff Elektromotoren Reparaturwerk- und Handel Siegfried Lattka e.K., Berlin

Selbstredend sieht es jetzt in den Räu­men anders aus als noch in den früheren Jahren in der Gleichstromwickelei (s. Aufma­cherbild). In der Anfangszeit war die Firma ein Installationsgeschäft für elektrische Be­darfsartikel. So kann man Rudolf Schmidts­dorff (Bild 1) mit Recht als einen Pionier der Elektrifizierung bezeichnen. Später ent-

wickelte sich das Geschäft zu einer Spezial­fabrik für elektrische Maschinen-Apparate. Diese ersten Jahre verliefen sehr turbulent und man verlagerte sechsmal den Standort. Seit 1934 ist Schmidtsdorff in Alt-Moabit 73 ansässig.

Nach dem 1. Weltkrieg stellte der Firmen­gründer Friedrich Bokelmann als Betriebs­leiter und Erich Mende als Bürovorsteher ein, wandelte 1921 sein Geschäft in eine GmbH um und nahm die beiden Herren als ge­schäftsführende Gesellschafter auf. Nach dem Ausscheiden des Gründers, trat der Kaufmann Richard Türke 1933 in die Gesell­ schaft ein. Rudolf Schmidtsdorff starb 1934 kinderlos im Alter von 66 Jahren.

Die Jahre nach dem 2. Weltkrieg über­stand Schmidtsdorff mehr recht als schlecht. Nach dem Tod von Friedrich Bokelmann und Erich Mende verblieb Richard Türke als alleiniger Gesellschafter. Die Firma wurde in Schmidtsdorff Elektromotoren Reparatur­werk und -Handel Richard Türke umgewan­delt.

Im August 1959 fing der Ingenieur und Meister Siegfried Lattka als Betriebsleiter bei Schmidtsdorff an. Er hatte in seiner Heimat­stadt Görlitz bei der Firma Werner das Elektromaschinenbauer-Handwerk erlernt. Mit 16 Jahren zog er in den Krieg. Nachdem er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft bei Marseille entlassen wurde, arbeitete er wieder in seiner Lehrfirma als Geselle. 1949 bestand »der junge Streber« die Aufnahmeprüfung der Ingenieurschule Beuth in Berlin. 1952 schloss er sein Studium erfolg­reich ab und arbeitete als Betriebsingenieur in der Großmaschinenfa­brik der AEG in der Brunnenstraße. In dieser Zeit machte er nebenher seine Meisterprüfung.

Nachdem Richard Türke die Firma Schmidtsdorff zwölf Jahre allein geleitet hatte, bot er sie seinem bewährten Betriebsleiter Siegfried Lattka zum Kauf an. Der besorgte sich einen Kredit und übernahm die Firma zum 1.1.1963. Seitdem heißt sie »Schmidtsdorff Elektromoto­ren Reparaturwerk und -Handel Siegfried Lattka«. Mit tatkräftiger Un­terstützung seiner Ehefrau Waltraud Lattka modernisierte er die Firma und blieb bis zu seinem Tode Alleineigentümer.

Er bildete Generationen von Lehrlingen aus und unterrichtete etliche spätere Fachkollegen als Lehrer an der Innungsfachschule. Die Mitgliedschaft in der Elektroinnung Berlin und die Kollegialität in der Fachgruppe Elektromaschinenbau waren ihm stets besonders wichtig. Seine musikalischen Beiträge mit der Ziehharmonika und Ansprachen zu christlichen Feiertagen, besonders zu Weihnachten, werden in guter Erinnerung bleiben. Die Abschaffung der Berufsbe­zeichnung Elektromaschinenbauer schmerzte ihn sehr.

1994 erkrankte Siegfried Lattka schwer und sein einziger Sohn, Dipl.-Ing. Andreas Lattka, stieg nach reiflicher Überlegung als Betriebsleiter bei Schmidtsdorff ein. Er hatte an der TU Berlin Wirt­schaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung »Elektrische Maschinen und Starkstromanlagen« studiert. Beide leiteten die Firma gemeinsam bis zum Tod des Vaters am 11. September 2015. Seitdem gehört die Firma Schmidtsdorff einer Erbengemeinschaft aus Familienangehö­rigen.

Der Elektromotor ist heute der am weitesten verbreitete und wich­tigste Antrieb in unserer hochindustrialisierten Gesellschaft. Beson­ders spürbar wird dies für jeden Haushalt bei längeren Stromausfäl­len. Die Industrie stellt Elektromotoren in der ganzen Welt her, das Elektromaschinenbauer-Handwerk setzt sie regional instand. Die Firma Schmidtsdorff Elektromotoren hatte in all den Jahren diese Dienstleistungsverpflichtung – die Reparatur von Elektromotoren und elektrischen Antrieben. Zu verdanken ist die lange Firmengeschichte nicht zuletzt auch den Kunden, den Lieferanten und besonders den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

SCHMIDTSDORFF HEUTE

Auf der firmeneigenen Webseite https://schmidtsdorff.berlin/ beschreibt sich Schmidtsdorff mit folgenden Leistungen:

Schmidtsdorff Elektromotoren ist ein Fachbetrieb seit 1895 und spezialisiert auf die Reparatur von Generatoren (Stromerzeuger; typen offen), Drehstrommotoren, Einphasenmotoren, Getriebemoto­ren (Bauer, Lenze, SEW), Gleichstrommotoren (Baumüller, Lenze), elektrischen Antrieben (Getriebe, Bremse, Sonderbauten), externen Getrieben (Aufzugsmotoren, Brems- und Hubmagneten), Fuß­bodenbearbeitungsmaschinen (Wolff, Janser, Pajarito, Lägler, Bona, F+G), Rand- und Walzenschleifer. Nach eigenen Aussagen fiel seit Herbst 2018 der Punkt Reparatur von Elektrowerkzeugen (Makita, ELU, Fein) aufgrund einer personellen Lücke bis auf Weiteres weg.

Die Firma ist ein Fachbetrieb der Elektro-Innung Berlin und bedient Kunden aus Industrie, Handwerk und Gewerbe. Schwerpunkte lie­gen auf Gebäudetechnik, zugehörigen Lüftungsanlagen und Auf­zügen. Der Handwerksbetrieb gehört zum Elektromaschinenbauer­handwerk. Schmidtsdorff Elektromotoren ist ein zertifizierter Fach­betrieb der Elektro-Innung Berlin, Landesinnung für Elektrotechnik und bildet auch Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik aus. Man ist vor allem Reparaturwerkstatt, betreibt aber auch Handel mit Elektromotoren. Schmidtsdorff Elektromotoren ist in der Region verwurzelt.”

ema – Elektrische Maschinen, Ausgabe 7-8.2020, Seite 22-23

Grußwort des Bezirksbürgermeisters

Grußwort 125 Jahre Schmidtsdorff Elektromotoren

Originalschreiben

Der Elektromotor ist wohl der meistverbreitete und wichtigste Antrieb in unserer hoch technisierten Gesellschaft – vielfach unbemerkt, aber von enormer Bedeutung. Ob diese Entwicklung im Jahr 1895 abzusehen war?

Die gesellschaftliche Bedeutung, die Ressourcenschonung und Klimawandel in den vergangenen Jahren erlangt haben, lassen erahnen, dass der Reparatur und der Wiederaufbereitung von technischen Geräten wieder eine höhere Bedeutung zukommt.

Umso mehr freut es mich, dass wir ein Unternehmen in unserem Bezirk – seit nunmehr 86 Jahren am gleichen Standort in Moabit – haben, das die Anfänge der flächendeckenden Elektrifizierung erlebt und mitgeprägt hat und noch heute hier vor Ort erfolgreich ist.

Als Bezirk gilt unser besonderer Dank dem Engagement für die Berufsausbildung und damit für die Zukunft des Bezirks Mitte: Generationen junger Menschen haben ihren Einstieg ins Berufsleben bei Ihnen mit Erfolg absolviert und sind als hervorragend ausgebildete Fachkräfte eine Bereicherung für den Wirtschaftsstandort Berlin.

Auf viele weitere erfolgreiche Jahre in unserem Bezirk!

Stephan von Dassel

Bezirksbürgermeister Mitte

Der Elektrofachmann: 125 Jahre Schmidtsdorff

“AUS VERBAND UND INNUNGEN

125 Jahre Schmidtsdorff Elektromotoren

Seit 1934 ist die Firma am heutigen Standort in Alt-Moabit 73 ansässig.
Die Firma Schmidtsdorff Elektromotoren ist ein Traditionsbetrieb des Elektromaschinenbauer-Handwerks. Sie wurde am 1. Juli 1895 von dem Ingenieur Rudolf Schmidtsdorff im damaligen Berlin gegründet. Berlin in seinen heutigen Grenzen entstand erst 1920 durch das Groß-Berlin-Gesetz.

In den ersten Jahren war die Firma ein Installationsgeschäft für elektrische Bedarfsartikel. Man kann Rudolf Schmidtsdorff mit Recht als einen Pionier der Elektrifizierung bezeichnen. Später entwickelte sich das Geschäft zu einer Spezialfabrik für elektrische Maschinenapparate. Die Anfangsjahre verliefen sehr turbulent. Schmidtsdorff verlagerte sechsmal seinen Standort. Seit 1934 ist die Firma am heutigen Standort in Alt-Moabit 73 ansässig. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte der Firmengründer Friedrich Bokelmann als Betriebsleiter und Erich Mende als Bürovorsteher ein. 1921 wandelte er seine Firma in eine GmbH um und nahm die beiden Herren als geschäftsführende Gesellschafter auf. Nach dem Ausscheiden des Gründers, trat der Kaufmann Richard Türke 1933 in die Gesellschaft ein. Rudolf Schmidtsdorff starb 1934 kinderlos im Alter von 66 Jahren. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg überstand Schmidtsdorff mehr recht als schlecht. Nach dem Tod von Friedrich Bokelmann und Erich Mende verblieb Richard Türke als alleiniger Gesellschafter. Die Firma wurde in Schmidtsdorff Elektromotoren Reparaturwerk und Handel Richard Türke umgewandelt. Im August 1959 fing der Ingenieur und Meister Siegfried Lattka als Betriebsleiter bei Schmidtsdorff an. Er hatte in seiner Heimatstadt Görlitz bei der Firma Werner das Elektromaschinenbauer-Handwerk erlernt. Mit 16 Jahren zog er in den Krieg. Nachdem er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft bei Marseille entlassen wurde, arbeitete er wieder in seiner Lehrfirma als Geselle. 1949 bestand „der junge Streber“ die Aufnahmeprüfung der Ingenieurschule Beuth in Berlin. 1952 schloss er sein Studium erfolgreich ab und arbeitete als Betriebsingenieur in der Großmaschinenfabrik der AEG in der Brunnenstraße. In dieser Zeit machte er nebenher seine Meisterprüfung. Nachdem Richard Türke die Firma Schmidtsdorff zwölf Jahre allein geleitet hatte, bot er sie seinem bewährten Betriebsleiter Siegfried Lattka zum Kauf an. Der besorgte sich einen Kredit und übernahm die Firma zum 01.01.1963. Seitdem heißt sie Schmidtsdorff Elektromotoren Reparaturwerk und -Handel Siegfried Lattka. Mit tatkräftiger Unterstützung seiner Ehefrau Waltraud Lattka modernisierte er die Firma und blieb bis zu seinem Tode Alleineigentümer. Er bildete Generationen von Lehrlingen aus und unterrichtete etliche spätere Fachkollegen als Lehrer an der Innungsfachschule. Die Mitgliedschaft in der Elektroinnung Berlin und die Kollegialität in der Fachgruppe Elektromaschinenbau waren ihm stets besonders wichtig. Seine musikalischen Beiträge mit der Ziehharmonika und Ansprachen zu christlichen Feiertagen, besonders zu Weihnachten, werden in guter Erinnerung bleiben. Die Abschaffung der Berufsbezeichnung Elektromaschinenbauer schmerzte ihn sehr. 1994 erkrankte Siegfried Lattka schwer und sein einziger Sohn, Dipl.-Ing. Andreas Lattka, stieg nach reiflicher Überlegung als Betriebsleiter bei Schmidtsdorff ein. Er hatte an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Elektrische Maschinen und Starkstromanlagen studiert. Beide leiteten die Firma gemeinsam bis zum Tod des Vaters am 11. September 2015. Seitdem gehört die Firma Schmidtsdorff einer Erbengemeinschaft aus der Familie. Der Elektromotor ist heute der am weitesten verbreitete und wichtigste Antrieb in unserer hoch industrialisierten Gesellschaft. Besonders spürbar wird dies für jeden Haushalt bei längeren Stromausfällen. Die Industrie stellt Elektromotoren in der ganzen Welt her, das Elektromaschinenbauer-Handwerk setzt sie regional instand. Die Firma Schmidtsdorff Elektromotoren hatte in all den Jahren diese Dienstleistungsverpflichtung – die Reparatur von Elektromotoren und elektrischen Antrieben. Zu verdanken ist die lange Firmengeschichte nicht zuletzt auch den Kunden, den Lieferanten und besonders den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.”

DER ELEKTRO-FACHMANN, 67. Jahrgang 2020, Nr. 5/6, Seite 31

Berliner Wirtschaft Juni-Ausgabe 2020: Urberliner Motorenbauer feiert Jubiläum

Im Rahmen unseres Jubiläums erscheinen mehrere Artikel in der Presse. Den Auftakt macht die Veröffentlichung in der BERLINER WIRTSCHAFT, einer Zeitschrift der IHK Berlin; in der Nummer 06 | 2020 auf Seite 31 kann man lesen:

“Urberliner Motorenbauer feiert Jubiläum
In 125 Jahren Unternehmensgeschichte hat Schmidtsdorff Elektromotoren schon viele schwierige Zeiten durchlebt und überstanden
von Christine Nadler
Die Schmidtsdorff Elektromotoren Reparaturwerk- und Handel Siegfried Lattka e.K. ist ein 125 Jahre alter Traditionsbetrieb, der am 1. Juli 1895 von Ingenieur Rudolf Schmidtsdorff „im alten Berlin“ gegründet wurde. Der heutige Chef, Andreas Lattka, ist froh über sein eingespieltes Team und die treuen Kunden: „Von der aktuellen Krise sind wir erstaunlich wenig betroffen. Der Reparatureingang ist im Verhältnis zum Vormonat sogar gestiegen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bisher nicht am Coronavirus erkrankt. Gott sei Dank.“ Das Geschäft hat schon viele schlimme Zeiten überstanden, wie die zwei Weltkriege. In den ersten Jahren war die Firma ein Installationsgeschäft für elektrische Bedarfsartikel. Später entwickelte sich das Geschäft zu einer Spezialfabrik für elektrische Maschinen und Apparate. Die Anfangsjahre verliefen sehr turbulent: Schmidtsdorff verlagerte sechsmal seinen Firmensitz. 1921 wandelte der Gründer die Firma in eine GmbH um. Seit 1934 ist sie am heutigen Standort in Alt-Moabit 73 ansässig.

Nach Ausscheiden des Gründers trat 1933 der Kaufmann Richard Türke in die Gesellschaft ein. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg überstand die Firma mehr recht als schlecht. Türke war alleiniger Gesellschafter. Im August 1959 fing der Ingenieur und Meister Siegfried Lattka als Betriebsleiter bei Schmidtsdorff an: Er hatte ursprünglich das Elektromaschinenbauer-Handwerk erlernt, war aber so ehrgeizig, dass er noch ein Studium an der Ingenieurschule Beuth abschloss und die Meisterprüfung machte. Richard Türke bot schließlich die Firma Siegfried Lattka, dem Vater des heutigen Chefs, zum Kauf an. Seit 1963 heißt das Unternehmen nun schon Schmidtsdorff Elektromotoren Reparaturwerk und -Handel Siegfried Lattka.

Lattka junior berichtet, dass sein Vater die Firma modernisierte und Generationen von Lehrlingen ausbildete und zusätzlich als Lehrer an der Innungs-fachschule unterrich-tete. 1994 erkrankte der Vater schwer, und der junge Dipl.-Ing. Andreas Lattka stieg als Betriebsleiter ein. Er hatte an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Elektrische Maschinen und Starkstromanlagen studiert. Beide leiteten die Firma gemeinsam bis zum Tod des Vaters im Jahr 2015. Seitdem gehört die Firma einer Erbengemeinschaft der Familie. Sorgen bereiten Andreas Lattka neben dem Fachkräftemangel die hohen Gewerbemieten: „Wenn unser Mietvertrag ausläuft, müssten wir uns einen neuen Standort suchen und umziehen.“

Quelle & Ansprechpartner: Tobias Rühmann, IHK-Branchenmanager Industrie Tel.: 030 / 315 10-621 tobias rühmann@ berlin.ihk.de
IHK BERLIN | BERLINER WIRTSCHAFT 06 | 2020 31